Staatsanleihen waren dieses Jahr nur mehr Ballast im Anlegerportfolio. Die Perspektiven für 2022 sind nicht viel besser. Entsprechend wichtig bleibt das Ausweichen auf alternative Zins-Instrumente.
Selten war eine Performance-Prognose so einfach und sicher wie in diesem Jahr im Falle von Staatsanleihen (von hoher Bonität): Da sich deren Renditen Anfang Januar nahe historischer Allzeittiefs deutlich unter (Deutschland, Schweiz) oder zumindest nahe an der Null-Linie (Grossbritannien, USA) befanden, konnten sie eigentlich nur steigen – und die Anleihekurse mussten fallen. Dass 10-jährige Benchmarkanleihen in der Endabrechnung nun rote Zahlen zwischen -2% und -4% ablieferten, kann also nicht verwundern. Wundern konnte man sich indes ob der höheren Korrelation zu Aktien und der folglich geringeren Diversifikationseigenschaften. In der Konsequenz erwiesen sich vermeintlich sichere Anleihen 2021 im Portfolio als einziger Ballast. Auch das Ausweichen auf Schwellenländeranleihen brachte keinen Mehr-Wert. Dort sahen sich viele Notenbanken dieses Jahr bereits zu (teils deutlichen) Zinserhöhungen gezwungen, was die Anleihepreise dort ebenfalls fallen liess. Wer mit klassischen festverzinslichen Papieren Geld verdienen wollte, musste daher entweder die Risiko-Leiter weiter hinaufsteigen und auf Hochzinsanleihen ausweichen oder auf inflationsgeschützte Anleihen setzen. Zumindest letztere wurden ihrer Aufgabe dieses Jahr gerecht und konnten das Portfolio vor der stärker als erwarteten Teuerung schützen. Unspektakuläre, aber solide positive Erträge waren zudem mit den von uns regelmässig empfohlenen verzinslichen Alternativen wie Mikrofinanzanleihen oder versicherungsbasierten Anleihen zu erwirtschaften. Bei den «Cat-Bonds» war es allerdings wichtig ausreichend diversifiziert zu sein. Denn 2021 entpuppte sich einmal mehr als ein Jahr mit relativ hoher Schadenssumme infolge von Naturereignissen (zum Beispiel Hurricane Ida in den USA) und entsprechenden Performance-Einbussen bei betroffenen Einzeltiteln beziehungsweise Cat-Bonds-Fonds.
Rendite 10-jähriger Staatsanleihen
Quellen: Bloomberg, Kaiser Partner Privatbank
Was raten wir Fixed-Income-Investoren für das neue Jahr? Unsere wenig kreative Empfehlung lautet, dass man weiterhin kreativ sein sollte. Da wir die Langfristzinsen in unserem Basisszenario 2022 seitwärts bis weiter leicht steigend erwarten, droht bei den einstmaligen festverzinslichen Kern-Anlagen – insbesondere nach Abzug der Inflation – erneut eine negative Rendite oder bestenfalls ein Nullsummenspiel. Hochzinsanleihen könnten zwar erneut leicht positiv abschneiden, aufgrund der niedrigen Kreditaufschläge ist der Puffer gegen steigende Zinsen aber nicht sehr hoch. Als nachhaltig und solide sollten sich hingegen erneut Mikrofinanzanleihen erweisen. Derweil könnten versicherungsbasierte Anleihen aufgrund tendenziell steigender Prämien (infolge mehrerer «herausfordernder» Jahre für die (Rück-)Versicherungsbranche) gar noch etwas attraktiver werden. Um das Exposure zu Zins-Alternativen noch etwas breiter abzustützen, lohnt sich zudem ein Blick auf den vielfältigen «Private Debt»-Bereich. In diesem Segment erscheinen uns zum Beispiel Peer-to-peer-Kredite oder Strategien wie die Zwischenfinanzierung von Immobilien («Bridge Financing») interessant.