Ask the experts – Was unsere Kunden (und die Finanzmärkte) im Februar 2025 bewegt

Unseren Kundinnen und Kunden stehen wir jederzeit für Anliegen und Fragen zu ihren Portfolios zur Verfügung. Stellvertretend dafür fassen wir einmal pro Quartal die häufigsten Kundenfragen sowie die Antworten unserer Experten zusammen und geben Ihnen damit direkte Einblicke in unsere Vermögensverwaltung und Anlageberatung.

 


Aktien

Der US-Aktienmarkt ist zu Beginn von Donald Trumps zweiter Amtszeit so hoch bewertet wie selten zuvor. Können amerikanische Aktien unter Trump 2.0 grossartig bleiben und weiterhin zweistellige Renditen abwerfen?

Kaiser Partner Privatbank: Zu den Dingen, die Donald Trump nach seiner Rückkehr ins Weisse Haus vorfindet, gehört unter anderem auch ein teurer Aktienmarkt. Genauer: Der teuerste US-Aktienmarkt aller Zeiten – gemessen am zyklisch adjustierten Shiller Kurs-Gewinn-Verhältnis (37.8x). Kein anderer Präsident begegnete beim Eintritt ins Oval Office je einem höheren Wert. Zugleich erbt Trump einen Markt, der in den letzten 10 Jahren eine überdurchschnittlich hohe annualisierte Rendite von mehr als 13% lieferte. Im Gegensatz zu vielen anderen Dingen, die er per Dekret anordnen und wieder zurückdrehen kann, hat Trump auf den weiteren Kurs von US-Aktien keinen direkten Einfluss – auch indirekt ist dieser sehr begrenzt. Nicht nur deshalb stehen die Chancen eher schlecht, dass unter Trump 2.0 ein weiteres goldenes Jahrzehnt für den US-Aktienmarkt anbricht.

 

Bigger is better (?) | In diesem Fall wahrscheinlich nicht

Zyklisch adjustiertes Kurs-Gewinn-Verhältnis des S&P 500 Index zum Beginn der Präsidentschaft

Quellen: Bloomberg, Kaiser Partner Privatbank

 

Denn auch eine am Aktienmarkt seit Jahrzehnten gültige „Gesetzmässigkeit“ dürfte noch immer Bestand haben: Der Preis, den ein Anleger heute zahlt, bestimmt wesentlich seine künftig erzielbare Rendite. Je höher der Preis, desto tiefer sind die zu erwartenden Erträge. Je länger der Zeithorizont des Anlegers, desto stärker ist dieser Zusammenhang. Weitet man den Anlagehorizont auf 10 Jahre aus, so wird die Bewertung (zum Kaufzeitpunkt) ein äusserst wichtiger Faktor. Die Statistik für den S&P 500 Index über die letzten 100 Jahre ist eindrücklich: Befand sich das Shiller Kurs-Gewinn-Verhältnis im „teuersten“ Zehntel der historischen Bewertungsspanne, dann resultierte in den nächsten 10 Jahren eine Rendite von durchschnittlich nur 3.1%. Auch gänzlich negative 10-Jahres-Renditen konnten folgen, wenn die Märkte zuvor extrem teuer waren.

 

Der Kaufpreis ist entscheidend | Insbesondere bei langem Zeithorizont

Zyklisch adjustiertes Kurs-Gewinn-Verhältnis des S&P 500 Index und durchschnittliche Rendite in den folgenden 10 Jahren

Quellen: Bloomberg, Kaiser Partner Privatbank

 

Sollten Anleger bei US-Large-Caps für die nächsten 10 Jahre also nur mit einer Rendite von 3% rechnen? Ganz so einfach ist es offensichtlich nicht. Die Formulierung von Renditeerwartungen (auch Kapitalmarkterwartungen genannt) ist in der Regel deutlich komplexer. Zumindest stecken Banken und Researchhäuser meist gehörig Eifer und Entwicklungsarbeit in ihre Prognosemodelle. Neben der Bewertung fliessen dort oft weitere Faktoren ein. Darunter unter anderem das erwartete Wirtschaftswachstum, Inflationserwartungen, das Zinsniveau sowie Annahmen über die künftigen Gewinne, Margen und die Dividendenpolitik der Unternehmen. Einen guten Überblick über die aktuellen Kapitalmarkterwartungen gibt die jährliche Studie von Horizon Actuarial Services, bei der im letzten Jahr 41 Institute teilnahmen. Im Durchschnitt rechnen die Finanzprofis für den S&P 500 Index demnach in den kommenden 10 Jahren mit einer Rendite von 6.5% (tiefste Erwartung: 4.1%, höchste Erwartung: 10.2%). Wie schon in den letzten Jahren erwarten sie somit deutlich weniger als die langfristig erzielte Durchschnittsrendite, welche bei US-Aktien seit 1930 rund 11% betrug. Zu erklären ist diese grosse Diskrepanz wohl nur damit, dass die derzeit hohe Bewertung des US-Aktienmarkts zwar nicht der einzige Faktor in den Prognosemodellen ist, aber letztlich doch eine höhere Bedeutung hat.

 

Nicht pessimistisch, nur realistisch | Renditeerwartungen unter historischem Durchschnitt

Historische 10-Jahres-Rendite und Renditeerwartungen (10 Jahre) für den S&P 500 Index

Quellen: Bloomberg, Kaiser Partner Privatbank

 

Nicht nur die hohe Bewertung bereitet einigen Marktteilnehmern – meist den „alten Hasen“ – zunehmend Bauchweh. Für Kopfschmerzen sorgt auch die hohe Konzentration am US-Aktienmarkt, welche im letzten Jahr nochmals zugenommen hat. Die 10 grössten US-Aktien haben im S&P 500 Index inzwischen ein Gewicht von mehr als 35%. (Eine strenge Compliance-Abteilung würde ein solches Portfolio schon bald als nicht genug diversifiziert beanstanden…). Auch dies könnte in den nächsten 10 Jahren zur Belastung für US-Aktien werden. Dann nämlich, wenn eine gewisse Normalisierung bzw. „Mean Reversion“ einsetzen würde. Die Analysten von Goldman Sachs haben versucht diese Problematik als zusätzlichen Faktor in ihr Modell für die Kapitalmarkterwartungen der nächsten 10 Jahre einzubauen. Der Effekt ist erheblich: Die Renditeprognose sinkt von 7% auf nur noch 3%. Würde diese Erwartung eintreffen, würden Aktien im nächsten Jahrzehnt nicht nur schwächer abschneiden als US-Staatsanleihen, die im gleichen Zeitraum mehr als 4% rentieren dürften. Auch bliebe nach Abzug der Teuerung real kaum noch eine positive Rendite übrig.

 

Der Kaufpreis ist entscheidend | Insbesondere bei langem Zeithorizont

Kurs-Gewinn-Verhältnis des S&P 500 Index und Rendite in den folgenden 1, 5 und 10 Jahren

Quellen: Bloomberg, Kaiser Partner Privatbank

 

Was können Anleger aus dieser Analyse für Schlüsse ziehen? Zunächst einmal ist gut beraten, wer die Ruhe bewahrt. Schliesslich handelt es sich um die Kapitalmarktprognosen für 10 Jahre. Insbesondere für kürzere Zeiträume von einigen Monaten, aber sogar für einige Jahre, ist die Prognosekraft hoher Bewertungen (und auch der Mag-7-Konzentration) nur schwach. Daher ist es zwar nicht unbedingt wahrscheinlich, aber dennoch gut möglich, dass US-Aktien unter Trump 2.0 tatsächlich ein „Greatest Hit“ werden. Wer in langen Zyklen denkt sollte seine Renditeerwartungen aber tendenziell dämpfen und darf die hohen zweistelligen Renditen des letzten Jahrzehnts nicht einfach fortschreiben. Da ein Timing des Marktes nahezu unmöglich ist, heisst es investiert zu bleiben – und die wahrscheinlich tieferen Renditen der Zukunft zu akzeptieren. Darüber hinaus können langfristig orientierte Anleger zwei weitere Dinge tun. Zum einen können sie überprüfen, ob sie ihr Engagement am US-Aktienmarkt, welches in den letzten Jahren aufgrund der starken Performance gewachsen sein dürfte, zugunsten anderer Regionen etwas reduzieren wollen. Zum anderen können sie ihr passives Exposure künftig am S&P Equal Weight Index ausrichten. Dieser dürfte im Vergleich zum kapitalgewichteten S&P 500 Index outperformen, wenn den grössten US-Aktien die Luft ausgeht.

 

Rebound in Sicht? | Der gleichgewichtete S&P 500 könnte demnächst outperformen

Performance S&P 500 Equal Weight Index vs. S&P 500 Index

Quellen: Bloomberg, Kaiser Partner Privatbank

 


Aktien

Europäische Aktien sind überdurchschnittlich gut ins Jahr gestartet. Ist dies eine (weitere) Eintagsfliege oder die langersehnte Trendwende?

Kaiser Partner Privatbank: Europäische Aktien, der Schweizer Aktienmarkt inklusive, sind mit hoher Dynamik in das Jahr gestartet. Der Euro Stoxx 50 Index legte seit Jahresbeginn um mehr als 10% zu, während der amerikanische S&P 500 Index deutlich hinterherhinkte. Beim Blick auf die längerfristigen Preischarts des europäischen Blue-Chip-Index folgt jedoch Ernüchterung. Seit Anfang 2024 besteht gegenüber den USA trotz jüngst guter Entwicklung weiterhin eine grosse Performance-Lücke. Eklatant gross wird diese, wenn man den Betrachtungszeitraum auf die vergangenen 25 Jahre erweitert: Während der Euro Stoxx 50 in den letzten Tagen erst sein altes Allzeithoch aus dem Jahr 2000 wiedereroberte, hat der S&P 500 seinen Wert seitdem vervierfacht.

 

Riesige Performance-Lücke | Euro Stoxx 50 noch immer unter 2000er Hoch

Performance kurz- und langfristig (in Lokalwährung)

Quellen: Bloomberg, Kaiser Partner Privatbank

 

Setzt Europa nun zur Aufholjagd an? Eine gewisse Skepsis ist angebracht. Einerseits hat es in den letzten fünf Jahren immer wieder Phasen kurzfristiger Outperformance gegeben, die sich jedoch nie als nachhaltig erwiesen haben. Andererseits ist die überlegene Entwicklung des US-Aktienmarktes, vor allem in den vergangenen 15 Jahren, gut begründet. Haupttreiber waren dabei insbesondere das stärkere Gewinnwachstum der US-Unternehmen und der kometenhafte Aufstieg des Technologiesektors.

 

Eintagsfliege? | Bisher nur eine Rally im Abwärtstrend

Performance USA vs. Europa (in US-Dollar)

Quellen: Bloomberg, Kaiser Partner Privatbank

 

Anleger sind sich dieser divergierenden Fundamentaldaten bewusst. Ihr geringes Interesse an europäischen Aktien äusserte sich in den letzten Jahren in anhaltenden Kapitalabflüssen und entsprechend niedrigen Investitionsquoten. Exemplarisch für das Stimmungsbild war das Ergebnis der Anlegerumfrage auf der Londoner Investorenkonferenz von Goldman Sachs im Januar: Nur 8 % der institutionellen Investoren erwarten, dass Europa in diesem Jahr die beste Aktienperformance liefern wird, während 58 % auf die USA setzen (siehe Grafik).

 

Zeit für Contrarians? | (Zu) viele Anleger setzen auf die USA

Frage: Welche Region wird 2025 am besten performen?

Quellen: Goldman Sachs, Kaiser Partner Privatbank

 

An den Finanzmärkten liegt die „Masse“ selten (dauerhaft) richtig. Der jüngste Pessimismus gegenüber Europa könnte die kräftige Kursentwicklung der letzten Wochen durchaus begünstigt haben. Ob diese sich nahtlos fortsetzt und Europa den USA dauerhaft den Rang ablaufen kann, ist dennoch unsicher. Zwar markiert der jüngste Ausbruch des Euro Stoxx 50 über das Hoch vom April letzten Jahres ein charttechnisch positives Signal, und die im Vergleich zur Fed expansivere Geldpolitik der EZB bietet zusätzlichen Rückenwind. Dennoch dürften die Unternehmensgewinne in Europa den US-Pendants 2025 erneut hinterherhinken. Die Bewertung des Marktes befindet sich mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 15.7x zudem leicht über dem Durchschnitt der letzten 20 Jahre, ist also absolut betrachtet nicht unbedingt „billig“. Und schliesslich mangelt es in der kurzen Frist auch nicht an bleibenden Unsicherheiten. Unklar ist nicht nur, ob die Europäer beim Thema Handel eine schnelle Einigung mit der neuen US-Regierung finden, sondern auch inwiefern China in diesem Jahr weitere wachstumsstimulierende Massnahmen ergreifen wird. Insgesamt erscheint es für Anleger nicht empfehlenswert der jüngsten Rally hinterherzulaufen bzw. den europäischen Aktienmarkt taktisch spielen zu wollen.

Eine andere Perspektive ergibt sich bei einem Anlagehorizont von fünf oder zehn Jahren. Vor allem der Bewertungs­vorteil Europas gegenüber den USA ist auf längere Sicht kaum zu ignorieren. Während der Euro Stoxx 50 bei einem Shiller-KGV von etwa 17x notiert, liegt dieses beim S&P 500 über 37x. Selbst wenn man sektorale Unterschiede zwischen den beiden Märkten berücksichtigt, bleibt Europas Bewertungsabschlag historisch hoch. Gleich­zeitig befinden sich die Erwartungen für das langfristige Gewinnwachstum (8,6 % unter denjenigen für die USA) auf einem Tiefpunkt.  Die Anleger gehen somit davon aus, dass die Unternehmensgewinne in Europa in den nächsten 10 Jahren so wie bereits in den letzten 15 Jahren erheblich langsamer wachsen werden. Der Pessimismus ist überaus gross, ebenso wie die Aktienrisikoprämien. Dies bietet nicht nur eine grosse Sicherheitsmarge für langfristige Investoren, sondern ist in diesem Ausmass möglicherweise auch fehl am Platz.

 

Hohe Risikoprämie… | …lässt viel Raum für positive Überraschungen

Aktienrisikoprämie (Gewinnrendite minus 10-jährige Rendite von Staatsanleihen)

Quellen: Bloomberg, Kaiser Partner Privatbank

 

Die in den vergangenen Jahren schwache Gewinn- und Produktivitätsentwicklung Europas lässt sich nicht allein durch strukturelle Faktoren erklären, sondern auch durch ungünstige zyklische Einflüsse: Während in den USA enorme Haushaltsdefizite das Wachstum befeuerten, war Europa von Austerität und Schuldenabbau geprägt. Hinzu kamen höhere Energiekosten und eine stärkere wirtschaftspolitische Unsicherheit. In den kommenden Jahren könnte sich dieses Bild umkehren. Das bisher ungebremste Ausgabenwachstum in den USA dürfte gebremst werden, entweder weil der Finanzmarkt es einfordert oder Trump und sein neuer Finanzminister Scott Bessent diesen Pfad selbst einschlagen. Europa hingegen wird voraussichtlich mehr investieren, insbesondere wenn Deutschland ein entsprechendes Signal liefert und die Schuldenbremse lockert. Der Energiekostennachteil Europas könnte dank höherer Flüssiggasimporte sinken. Die politische Unsicherheit in den USA wiederum ist unter Trump 2.0 angestiegen. In Europa könnte sie nach den Bundestagswahlen in Deutschland wieder abnehmen. Nicht zuletzt schmilzt die demografische Dividende in den USA, wenn die Regierung dort die Aussengrenzen schliesst. Auch in puncto Regulierung scheint der Wind in Europa schliesslich langsam zu drehen. Ob inspiriert von der neuen US-Effizienzbehörde (DOGE) oder dem Draghi-Report aus dem letzten Jahr – die EU-Kommission scheint das Wettbewerbsfähigkeits-Problem Europas nun ernsthaft angehen zu wollen.

In der Summe ergänzen sich diese Faktoren zu einem konstruktiven Bild. Euphorie ist zwar fehl am Platz. Anleger sollten aber überprüfen, ob sie ihre strategische Gewichtung für europäische Aktien mittelfristig nicht schrittweise erhöhen wollen. Vor allem in Portfolios, die sich am MSCI World Index orientieren, scheint Europa mit einem Anteil von nur rund 13% (gegenüber etwa 74% für die USA) womöglich unterrepräsentiert. Ein gewisser „Home-Bias“ kann zudem für Anleger mit Referenzwährung Euro oder Schweizer Franken sinnvoll sein – vor allem weil der US-Dollar, jenach Modell, um 20% oder mehr überbewertet scheint. Selbst wenn die US-Aktien ihre Outperformance dank stärkerer Gewinnentwicklung fortsetzen sollten, könnte diese (in US-Dollar) erzielte Überrendite bei einer Abwertung des Greenbacks nach Umrechnung in Euro oder Franken schnell verpuffen.

 


Fixed Income

Trotz Zinssenkungen der Fed sind die Anleiherenditen in den letzten Monaten angestiegen. Woran liegt das und wie lange hält der Bärenmarkt bei den Anleihen noch an?

Kaiser Partner Privatbank: Seit der ersten Zinssenkung im September hat die US-Notenbank (Fed) die Leitzinsen bereits um 100 Basispunkte gesenkt. Auch die Rendite 10-jähriger Treasuries hat sich seitdem um rund 100 Basispunkte bewegt – allerdings nach oben. Die Divergenz zwischen den Kurz- und Langfristzinsen scheint ungewöhnlich – und sie ist es auch. Sie ist aber auch kein Novum, sondern auf die spezifischen Umstände des aktuellen Makro- bzw. Zinssenkungszyklus zurückzuführen.

In der Regel senkt die Fed die Zinsen in einer Rezession oder wenn das Wachstumstempo der Wirtschaft plötzlich stark abkühlt und eine Rezession zumindest droht. Die aktuellen Zinssenkungen finden hingegen vor dem Hintergrund einer sich nochmals beschleunigenden US-Konjunktur statt. Ähnlich war die Situation in den Zinssenkungszyklen 1995 und 1998 – auch damals stiegen die Anleiherenditen nach der ersten Zinssenkung temporär oder gar für längere Zeit. Im aktuellen Zyklus ist aber nicht allein die robuste Wirtschaftslage ursächlich für höhere Zinsen. Auch die Laufzeitenprämie (Term Premium), also die zusätzliche Rendite, die Anleger für längere Laufzeiten fordern, ist gestiegen. An Gründen dafür mangelt es nicht. Investoren fordern eine höhere Rendite, weil sie künftig mit tendenziell höherer Inflation rechnen, die makroökonomische Unsicherheit erhöht ist, die Nachhaltigkeit des US-Schuldenbergs zunehmend in Frage gestellt wird und auch, weil die Unabhängigkeit der Fed unter Beschuss ist. Dass diese Themen zeitgleich mit der Amtsübernahme von Donald Trump einhergehen, ist nicht ganz zufällig – die Sorgenliste ist eng mit seiner Person verbunden. Darüber hinaus gibt es aber weitere Gründe für die gestiegenen Renditen. Denn auch der geschätzte langfristige Gleichgewichtszins (r*) ist in den letzten Quartalen gestiegen. Zudem haben die Marktteilnehmer seit September die Erwartungen an weitere Zinssenkungen der Fed in diesem Jahr um rund 100 Basispunkte zurückgeschraubt.

 

Höhere Renditen trotz tieferer Leitzinsen | Selten, aber nicht einmalig

Veränderung der Rendite 10-jähriger US-Treasuries nach erster Zinssenkung der Fed

Quellen: Bloomberg, Kaiser Partner Privatbank

 

Geht es mit den Renditen demnächst noch weiter rauf? Die Antwort darauf dürfte insbesondere vom weiteren Inflationsverlauf und der künftigen Haushaltspolitik der neuen US-Regierung abhängen. In beiden Punkten gibt es Hoffnung, dass es weniger schlimm kommt als in den letzten Monaten vom Markt eingepreist. Bleiben Überraschungen aus, dann dürfte die Inflation in den kommenden Quartalen in greifbare Nähe des 2%-Ziels der Fed sinken. Mit Blick auf den Fiskalkurs hat sich der neue US-Finanzminister Scott Bessent zuletzt wiederholt für eine Reduzierung des Haushaltsdefizits auf 3% ausgesprochen. Durch eine Erhöhung der Ölproduktion und tiefere Energiepreise sollen zudem die Inflationserwartungen der Konsumenten gesenkt werden. Beide Massnahmen sollen indirekt schlieslich auch die langfristigen Renditen senken – und dem Staat eine günstigere Refinanzierung ermöglichen. Die Entwicklung der kurzfristigen Zinsen möchte der Finanzminister hingegen nicht beeinflussen – sie soll weiterhin in den Händen einer unabhängigen Fed liegen. Ob Bessents Ansatz funktioniert, wird sich erst noch zeigen müssen. Allein die Absicht einer Haushaltskonsolidierung spricht aber dafür, dass 10-jährige US-Renditen nahe 5% tendenziell zu hoch, viele Risiken eingepreist und das weitere Aufwärtspotential bei den Renditen (bzw. das Abwärtspotential bei den Anleihepreisen) limitiert ist.

 

Wie lange noch? | Anleihen im Bärenmarkt

Rendite 10-jähriger US-Treasuries

Quellen: Bloomberg, Kaiser Partner Privatbank

 

Der Nachrichtenfluss rund um das Thema US-Staatsfinanzen dürfte in Trumpscher Manier in naher Zukunft volatil und unberechenbar bleiben. Insbesondere für Anleger mit einem längeren Zeithorizont gilt es aber festzustellen, dass sich die Perspektiven bei US-Staatsanleihen nach 5-jährigem Bärenmarkt erheblich verbessert haben. Da die Verfallsrendite von Anleihen einen sehr hohen Erklärungswert für deren künftige Anlageperformance hat, lässt sich mit einiger Gewissheit sagen, dass US-Treasuries in den nächsten 10 Jahren wieder Renditen von mehr als 4% abwerfen sollten. Damit werden sie nicht nur zur ernsthaften Konkurrenz von hochbewerteten Aktien. Auch versprechen sie damit künftig wieder positive Realrenditen – ganz im Gegensatz zur Erfahrung, die Anleger im letzten Jahrzehnt hinnehmen mussten (siehe Grafik unten). Fazit: Die Zeiten, in den man Anleihen auch als „zinslose Risiken“ bezeichnete, sind Vergangenheit. Gerade für eher konservative Anleger ist ein ausgewogenes Portfolio mit erhöhtem Anleiheanteil inzwischen wieder attraktiv. Wie attraktiv es genau ist, hängt allerdings nicht zuletzt auch von der Referenzwährung des Anlegers ab. In Euro (deutsche Bundesanleihen), vor allem aber in Schweizer Franken (Eidgenossen), ist die Attraktivät von Staatsanleihen geringer. Wer in europäischen Währungen „denkt“ und vom höheren Renditepotential bei US-Anleihen profitieren möchte, muss das Risiko ein, muss ein Währungsrisiko (US-Dollar) in Kauf nehmen.

 

Unter dem Strich weniger | USAnleihen haben im letzten Jahrzehnt Wert vernichtet

Rollierende 10-Jahres-Rendite US Treasury Return Index

Quellen: Bloomberg, Kaiser Partner Privatbank

 


Nachhaltigkeit

Warum ziehen sich die grossen US-Banken von den Netto-Null-Initiativen zurück?

 Kaiser Partner Privatbank: Noch vor drei Jahren, befand sich die Hoffnung, dass Finanzinstitute die Wirtschaft in Richtung Netto-Null-Emissionen transformieren könnten, auf dem Zenit. Damals, auf dem UN-Klimagipfel (COP26) im Dezember 2021 in Glasgow, initiierte der ehemalige Gouverneur der Bank of England, Mark Carney, die Glasgow Financial Alliance for Net Zero (GFANZ). Nicht weniger als 130 Billionen Dollar sollten damit für die Transformation zu einer klimaneutralen Wirtschaft bereitgestellt werden. Etliche Finanzunternehmen sprangen voller Euphorie auf den unaufhaltsam scheinenden Zug der Dekarbonisierung auf und nahmen durch ihre Mitgliedschaft in branchenspezifischen Allianzen an GFANZ teil. Diese in Partnerschaft mit der UN betriebenen Bündnisse verlangten von den Mitgliedern, sich zu ehrgeizigen Klimazielen und zur CO₂-Neutralität bis 2050 zu bekennen. Sie hatten aber von Beginn an mit Kritik aus allen Lagern zu kämpfen. Zum einen bemängelten Befürworter der Dekarbonisierung unzureichende Ambitionen und das Fehlen klarer Massnahmen. Zum anderen gab es vor allem in den USA stets Gegenwind – vorwiegend aus der Öl- und Gasindustrie. Denn Energieunternehmen fürchteten, dass Banken weniger in fossile Brennstoffe investieren oder die Branche ganz meiden würden. Wirft man nun einen Blick auf die heutige Situation, ist nicht mehr viel von der ursprünglichen Euphorie zu spüren. Insbesondere hat eine branchenspezifische Vereinigung, die Net Zero Banking Alliance (NZBA), in den letzten Monaten eine starke Abwanderung erlebt – mehrere US-Grossbanken sind aus dem Bündnis ausgetreten.

 

Trendwende | US-Rückzug lässt Net Zero Banking Alliance (NZBA) schrumpfen

Entwicklung der Mitgliederzahl der Net Zero Banking Alliance (NZBA)

Quellen: Net Zero Banking Alliance (NZBA), Kaiser Partner Privatbank

 

Seit Dezember letzten Jahres haben die Bank of America, Citigroup, Goldman Sachs, JPMorgan Chase, Morgan Stanley und Wells Fargo ihren Austritt bekannt gegeben. Obwohl sie nur sechs von mehr als 140 Mitgliedern weltweit repräsentieren, verringert der Exodus dieser Wall-Street-Giganten das verwaltete Vermögen der NZBA-Mitgliedsbanken um stattliche 14%. Weitere prominente Mitglieder der Glasgow-Initiative von 2021, darunter der weltweit grösste Vermögensverwalter, BlackRock, haben die Allianz in den letzten Monaten ebenfalls verlassen.

 

Grosse Fische, grosse Wellen | Sechs US-Banken repräsentieren 14% der Vermögenswerte der NZBA-Mitgliedsbanken

Verwaltete Vermögen der Banken in der Net Zero Banking Alliance (NZBA)

Quellen: Net Zero Banking Alliance (NZBA), Commerzbank Research, Kaiser Partner Privatbank

 

Getrieben wird der Trend hauptsächlich durch den zunehmenden juristischen Druck von republikanischen Gesetzgebern – er ist somit die direkte Antwort auf das regulatorische Risiko, dem die Finanzinstitute in den USA ausgesetzt sind. Diese werden regelrecht dazu gedrängt, sich von Initiativen zu distanzieren, welche die Reduzierung von Kohlenstoffemissionen unterstützen. Dies unter dem Vorwand, dass solche Ziele einen Verstoss gegen die Treuhandpflicht darstellen und ein sogenanntes „Klimakartell“ begründen, das in seiner Struktur den Prinzipien des „woken Kapitalismus“ verpflichtet ist. In den Augen der Kritiker sind nachhaltige und sozial verantwortliche Praktiken in Unternehmen vor allem politischer Aktivismus, sie dienen aber nicht den wirtschaftlichen Interessen der Aktionäre. Doch ist es wirklich ein Verstoss gegen die Treuhandpflicht, sich den globalen Herausforderungen wie dem Klimawandel zu stellen? Oder ist es vielmehr eine Verantwortung, die den Unternehmen in einer zunehmend vernetzten und von sozialen sowie ökologischen Fragestellungen geprägten Welt zufällt? Die Berücksichtigung von klimabedingten Risiken kann gerade angesichts der immer häufiger werdenden Naturkatastrophen, wie zuletzt die Flut in Valencia oder den verheerenden Bränden in Los Angeles, nicht vernachlässigt werden.

Beruhigend ist vor diesem Hintergrund, dass das Interesse des Finanzsektors an einer emissionsfreien Wirtschaft offensichtlich nicht gänzlich zusammenbricht. So erklärte JPMorgan Chase, dass die Bank weiterhin daran arbeiten werde, die Interessen der Bank, ihrer Aktionäre und Kunden zu fördern. Der Fokus soll dabei auf pragmatischen Lösungen zur Unterstützung von Technologien mit niedrigem CO₂-Ausstoss und der Förderung der Energiesicherheit liegen. Andere Finanzinstitute, wie Citigroup und Bank of America, betonten ebenfalls, dass sie trotz ihres Ausscheidens aus der Allianz weiterhin an der Erreichung von Netto-Null-Emissionen festhalten werden. Dennoch darf die Signalwirkung des Exodus führender US-amerikanischer Finanzinstitute aus Klimagruppen nicht unterschätzt werden. Das weltweite Momentum für nachhaltige Finanzwirtschaft und Klimaschutz im privaten Sektor dürfte dadurch erstmals deutlich abgeschwächt werden. Zusätzlich ist zu erwarten, dass sich die bereits bestehende Kluft zwischen US-amerikanischen und europäischen Banken in naher Zukunft noch weiter auftun wird.

Trotz der jüngst negativ konnotierten Nachrichten bleibt festzuhalten, dass Initiativen wie die GFANZ bereits wertvolle und wegweisende Beiträge zu den globalen Klimadiskussionen, den ambitionierten Zielvorgaben sowie den notwendigen Übergangsstrategien für eine nachhaltigere Zukunft geleistet haben. Sie sind ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Aber der wahre Erfolg des Übergangs zu einer kohlenstoffärmeren Wirtschaft erfordert mehr als nur freiwillige Engagements. Letztlich liegt es in der Verantwortung der Regierungen und Aufsichtsbehörden, die notwendigen rechtlichen Rahmenbedingungen und starken Anreize zu schaffen, die den Unternehmen den Weg weisen und den dringend erforderlichen Wandel in die Tat umsetzen. Nur durch ein gezieltes Zusammenspiel von Politik und Wirtschaft kann der Übergang zu einer klimafreundlicheren und nachhaltigeren Weltwirtschaft tatsächlich gelingen.

 


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Oliver Hackel, CFA
Oliver Hackel, CFA
Head of Private Markets & Liquid Alternatives
Nicola Kollmann
Nicola Kollmann
Investment Advisor & Sustainability Strategist
Oliver Hackel Makro- und Anlagestrategie, Behavioral Finance und technische Analyse

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