Ask the experts – Was unsere Kunden (und die Finanzmärkte) im September 2025 bewegt
Unseren Kundinnen und Kunden stehen wir jederzeit für Anliegen und Fragen zu ihren Portfolios zur Verfügung. Stellvertretend dafür fassen wir einmal pro Quartal die häufigsten Kundenfragen sowie die Antworten unserer Experten zusammen und geben Ihnen damit direkte Einblicke in unsere Vermögensverwaltung und Anlageberatung.
Aktien
Sollten nach dem neuen Zoll-Hammer von 39% für die Schweiz Anlagen in Schweizer Aktien gemieden werden?
Marco Inderwildi, Head of Equities: Mit einem satten Zollniveau von 39% für Schweizer Exporte hat die Schweiz einen der höchsten Strafzölle kassiert. Nur ein paar Schwellenländer wie Kambodscha (49%) und Vietnam (46%) dürfen sich über noch saftigere Zollsätze ärgern. Die im Vorfeld zwischen Vertretern der USA und der Schweiz ausgeklügelte Lösung mit einem schlanken 10%-Zollsatz wurde von Donald Trump kurzerhand in den Wind geschlagen. Der Schweizer Exportüberschuss von rund 39 Milliarden Schweizer Franken schlägt sich – zwar nicht nach Adam Riese, wohl aber nach Donald Trump – in einem 39%-Zollsatz nieder. Hoffnungen auf eine Nachverhandlung des „Deals“ zugunsten der Schweiz bestehen zwar, doch Anleger sollten vorerst mit dem 39%-Szenario kalkulieren.
Wenig verändert | Der Schweizer Aktienmarkt zeigt sich vom Zoll-Hammer bisher unbeeindruckt
MSCI Schweiz Index seit Jahresbeginn
Quellen: Bloomberg, Kaiser Partner Privatbank
Die USA sind noch vor der EU der wichtigste Handelspartner der exportstarken Schweizer Wirtschaft. Erste Schätzungen der KOF-Konjunkturforschungsstelle sagen auf Basis der 39%-Zölle einen Rückgang der Schweizer Wirtschaftsleistung um 0.3% bis 0.6% voraus. Selbst im Worst-Case-Szenario, in dem auch Pharmaexporte unter die 39%-Zölle fallen, halten KOF-Experten eine Rezession für unwahrscheinlich. Die Schweizer Exportwirtschaft, gestählt durch den chronisch starken Franken, setzt gezwungenermassen seit langem auf hochspezialisierte Produkte und effiziente Produktion.
Resiliente Exportwirtschaft | Trotz chronischer Frankenaufwertung blieb die Schweizer Exportwirtschaft erfolgreich
US-Dollar und Euro gegenüber einem Schweizer Franken über die letzten 20 Jahre
Quellen: Bloomberg, Kaiser Partner Privatbank
Für die meisten börsennotierten Schweizer Unternehmen stellt die neue Zollsituation eine machbare, wenn auch teils schmerzhafte Hürde dar. Dies widerspiegelte sich auch in der vergleichsweise zahmen Reaktion der Schweizer Börse. So konnte der Schweizer Aktienmarkt seit Bekanntgabe der Zölle gar leicht zulegen. Zahlreiche Unternehmen und Analysten haben bereits Stellung bezogen. Viele im Swiss Performance Index (SPI) notierte Firmen verfügen über Produktionskapazitäten im Ausland und können ihre Lieferketten flexibel anpassen. Grosskonzerne wie Nestlé, Novartis oder Roche produzieren seit Jahrzehnten global, doch auch kleinere Schweizer Unternehmen sind international gut aufgestellt. Ein Beispiel ist die Comet Holding AG, die neben Fabriken in der Schweiz auch in Deutschland, Dänemark, den USA, China und Malaysia produziert. So kann der Halbleiterzulieferer die Zollbürde geschickt umschiffen.
Hochspezialisierte Produkte bieten einen weiteren Schutzwall, da sie es Unternehmen ermöglichen, Zollkosten an Kunden weiterzureichen. Ein Musterbeispiel ist die VAT Group, die mit (für die Produktion von Halbleitern und Solarpanels essenziellen) Vakuumventilen einen Marktanteil von rund 80% hält. US-Kunden haben hier kaum Verhandlungsspielraum, um Preissenkungen durchzusetzen. Wahrscheinlicher ist, dass betroffene amerikanische Halbleiter- und Solarproduzenten Druck auf die US-Regierung ausüben. Bloomberg-Recherchen zeigen, dass dank Lobbyarbeit von US-Firmen während der 90-Tage-Frist rund ein Drittel der US-Importe von Zöllen verschont blieb – dies wohlgemerkt bei einem Zollniveau von 15%. Der Druck betroffener US-Firmen auf die Regierung dürfte mit dem Zollsatz von 39% nochmals deutlich zunehmen.
Ein weiterer Trump(f) im Handelspoker mit den USA ist die „Swissness“. Zwar wird die Swatch Group bei günstigen Marken wie Swatch Druck auf Absatz und Margen spüren, doch bei Premiummarken wie Omega oder Blancpain präsentiert sich die Lage anders. Uhrenbegeisterte US-Amerikaner – inklusive Donald Trump – schwören auf Schweizer Qualität. Dass am Handgelenk des US-Präsidenten statt seiner geliebten Rolex Day-Date bald eine amerikanische Timex funkelt, ist wenig wahrscheinlich.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Angesichts der unklaren Zollsituation mit den USA sollten Schweizer Aktienportfolios besonders diversifiziert sein, um Risiken zu streuen – ein Mix aus global produzierenden Riesen, spezialisierten Exporteuren und Swissness-Stars minimiert die Abhängigkeit von einzelnen Märkten. Dank internationaler Präsenz, hoher Spezialisierung und der Fähigkeit, Kosten weiterzureichen, dürften die Unternehmen diesen Zollsturm meistern und langfristig robust bleiben.
Fixed Income
Wird die SNB bald wieder Negativzinsen einführen?
Irfan Ebibi, Head of Fixed Income: Die Frage, ob die Schweizerische Nationalbank (SNB) in absehbarer Zeit wieder Negativzinsen einführen könnte, beschäftigt Banken, Investoren und Privathaushalte gleichermassen. Nach einer Serie von Zinssenkungen liegt der SNB-Leitzins seit Juni 2025 bei 0%. Einzelne Banken entrichten bereits im Hintergrund einen Negativzins von 0,25% auf den Teil ihrer Sichtguthaben, der die festgelegte Freigrenze bei der SNB übersteigt. Zwar besteht grundsätzlich die Möglichkeit, dass die SNB die Zinsen in den negativen Bereich senkt, doch die Anforderungen dafür wurden merklich verschärft. In unserem Basisszenario gehen wir davon aus, dass die SNB in den kommenden Quartalen keine Rückkehr zu Negativzinsen vollziehen wird.
Die Entwicklung der Inflation ist zentral für die geldpolitische Strategie der SNB. Die Teuerung hat sich seit Jahresbeginn 2025 weiter abgeschwächt. Wie die untenstehende Grafik zeigt, hat das Momentum des Rückgangs jedoch nachgelassen – eine Entwicklung, die auch für die Inflationsdynamik im Euroraum und in den USA gilt. Die SNB erwartet eine jährliche Inflationsrate von 0.2% für 2025, 0.5% für 2026 und 0.7% für 2027, jeweils basierend auf dem aktuellen Leitzinsniveau von 0%. Sollte die Inflation nachhaltig sinken, wäre die Nationalbank wohl gezwungen, Negativzinsen als geldpolitisches Instrument erneut einzusetzen, um sowohl Deflationsrisiken als auch den Aufwertungsdruck auf den Franken zu entschärfen.
Keine Deflation in Sicht | Hohe Hürden für Negativzinsen
Kerninflationsraten
Quellen: Bloomberg, Kaiser Partner Privatbank
Die SNB hat ihre geldpolitische Kommunikation zuletzt klar angepasst. Während Ende 2024 und Anfang 2025 noch offen über Negativzinsen als mögliche Option diskutiert wurde, tritt das Direktorium nun merklich zurückhaltender auf. Negativzinsen sollen künftig nur bei einer deutlichen Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage in Betracht gezogen werden. Offen bleibt, ob die SNB neues Vertrauen in die Erholung der Inflation gewonnen hat oder ob handelspolitischer Druck aus den USA die Schweizer Währungspolitik beeinflusst hat – möglicherweise ist es eine Kombination aus beidem. Klar ist jedoch, dass die Schwelle zur Wiedereinführung von Negativzinsen heute wesentlich höher liegt. Die SNB begründet ihren Strategiewechsel unter anderem mit den Nebenwirkungen, die SNB-Vizepräsident Antoine Martin kürzlich hervorgehoben hat: Risiken für Sparer, Investoren, den Immobilienmarkt und die Geschäftsmodelle von Banken.
Auch das internationale Umfeld ist für die SNB von entscheidender Bedeutung. Die Europäische Zentralbank (EZB) nähert sich ihrem Inflationsziel von 2% und bezeichnet sich für die Zukunft als datenabhängig; am Markt wird nicht mit drastischen Zinssenkungen gerechnet, was wir für realistisch halten. Die US-Notenbank (Fed) steht unter politischem Einfluss, und „erzwungene“ Zinssenkungen wurden bereits eingepreist. Wir gehen davon aus, dass keine weiteren Zinssenkungen über die bereits eingepreisten hinaus nötig sind. Dies dürfte den Schweizer Franken nicht unerwartet stark aufwerten lassen. Wir gehen zudem davon aus, dass sich die Weltwirtschaft trotz zahlreicher Unsicherheiten stabil entwickelt, getragen von einem KI-gestützten Innovations- und Investitionsschub sowie bereits gelockerter Geld- und Fiskalpolitik. Vor diesem Hintergrund erscheinen globale Deflationskräfte begrenzt und dürften keinen nennenswerten Druck auf die Schweizer Währungspolitik ausüben.
Damit rückt die Frage in den Fokus, wie die SNB geldpolitisch weiter vorgehen wird. Die Entwicklung der Preise in der Schweiz wird durch verschiedene Faktoren bestimmt. Anfang September wurde der Referenzzinssatz für Mietpreise erneut gesenkt, und die Produzentenpreise signalisieren weiterhin eine negative Tendenz. Gleichzeitig stützt die positive Lohnentwicklung den privaten Konsum und wirkt möglichen Deflationsrisiken entgegen. Zudem sind – wie bereits dargelegt – aus globaler Perspektive keine deflationären Impulse zu erwarten.
Angesichts der gestiegenen Hürden für weitere Zinssenkungen erwarten wir, dass die SNB trotz der anhaltend niedrigen Inflation vorerst keine zusätzlichen Lockerungsschritte vornimmt. Zu beachten bleibt jedoch das Restrisiko: Der Franken ist als sicherer Hafen gefragt, insbesondere in Zeiten des nachlassenden Vertrauens in den US-Dollar. Unerwartete Schocks könnten die Anpassungsfähigkeit der SNB herausfordern. Dennoch bleibt die Hürde für die Einführung von Negativzinsen beträchtlich hoch.
Rohstoffe
Glänzt ausschliesslich Gold, oder überzeugen auch andere Edelmetalle?
Livio Derungs, Senior Portfolio Manager: Silber steht derzeit im Fokus von Anlegern und profitiert von einer Kombination aus starken Nachfrageimpulsen und struktureller Angebotsknappheit. Politische und geopolitische Unsicherheiten – vom Nahostkonflikt bis zu handelspolitischen Spannungen – erhöhen, ähnlich wie bei Gold, die Attraktivität als sicherer Hafen. Gleichzeitig besitzt Silber aber einen entscheidenden Vorteil gegenüber seinem „grossen Bruder“: Rund 60% der Gesamtnachfrage entfallen auf industrielle Anwendungen. Besonders die Solar- und Photovoltaikindustrie hat sich in den vergangenen Jahren zum Wachstumsmotor entwickelt. Ihr Anteil am industriellen Silberverbrauch stieg innerhalb von fünf Jahren von unter 15% auf fast 30%. Angesichts der ambitionierten globalen Ausbauziele im Bereich erneuerbarer Energien dürfte dieser Trend in den kommenden Jahren anhalten – und den Bedarf weiter antreiben.
Silber ist historisch günstig | Zeit für eine Aufholjagd?
Gold-Silber-Verhältnis
Quellen: Bloomberg, Kaiser Partner Privatbank
Auch aus relativer Bewertungssicht wirkt Silber attraktiv. Das Gold-Silber-Verhältnis liegt aktuell deutlich über seinem historischen Durchschnitt, was auf ein mögliches Aufholpotenzial hindeutet. Historisch gesehen hat Silber in Phasen steigender Edelmetallpreise aufgrund seines „High-Beta“-Charakters häufig stärker zugelegt als Gold. Dieser Hebeleffekt funktioniert allerdings auch in die andere Richtung: In Korrekturphasen fallen die Verluste oft überproportional aus. Verstärkt wird dies durch den deutlich kleineren und weniger liquiden Markt im Vergleich zu Gold, der Kursbewegungen zusätzlich verstärkt.
Für Anleger bedeutet das: Wer investiert, sollte eine höhere Volatilität einkalkulieren und bereit sein, kurzfristige Rückschläge auszusitzen. Langfristig orientierte Investoren, die am aktuellen Edelmetallzyklus partizipieren wollen und das im Vergleich zu Gold etwas höhere Risiko tragen können, finden in Silber aktuell eine spannende Möglichkeit zur Portfoliodiversifikation.


