«Corona» erwischt Donald Trump auf dem falschen Fuss

Die Coronavirus-Pandemie erreicht in diesen Tagen auch die Vereinigten Staaten mit voller Wucht. Für ein abruptes Ende der jahrelangen Aktienhausse hat sie bereits gesorgt, demnächst dürfte sie die weltgrösste Volkswirtschaft auch in eine Rezession stürzen. Für den mit der Gesundheitskrise offensichtlich überforderten US-Präsidenten sind dies gleich doppelt schlechte Nachrichten. Die Chancen auf eine Wiederwahl Donald Trumps haben sich zumindest etwas verschlechtert. Für die Finanzmärkte muss dies nicht unbedingt etwas Schlechtes bedeuten.

 

«It’s the economy, stupid»

Das Coronavirus kennt keine Landesgrenzen. Mit leichter Zeitverzögerung ist die Pandemie nun auch in den USA angekommen, dafür umso heftiger. Mit zuletzt über 140’000 gezählten Neuinfektionen hat das Land inzwischen selbst die Fallzahlen von China und Italien weit überschritten. Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Gesundheitskrise sind inzwischen unübersehbar. In der vergangenen Woche stellte eine rekordhohe Anzahl von 3.28 Millionen US-Bürgern einen Erstantrag auf Arbeitslosenhilfe. Und nicht nur in der Industrie, sondern auch im wirtschaftlich bedeutenderen Dienstleistungssektor ist die Stimmung regelrecht in den Keller gefallen. Nach rekordlangem Wirtschaftsaufschwung sieht sich die grösste Volkswirtschaft der Welt dieses Jahr nun plötzlich mit einer Rezession konfrontiert. Die Frage ist allein wie lange und tief diese ausfällt. Die Analystengemeinde überbietet sich derzeit mit negativen Wachstumsprognosen zwischen -2% bis -5%.

Für US-Präsident Donald Trump beziehungsweise seine Chancen auf eine zweite Amtszeit sind dies wahrlich keine guten Nachrichten. Schon die Politstrategen des ehemaligen Präsidenten Bill Clinton wussten: «it’s the economy, stupid»! Soll heissen: Wenn es in der Wirtschaft rund läuft, dann vertrauen die Amerikaner gern auf den Amtsinhaber und gönnen ihm vier weitere Jahre im Weissen Haus. Der Wahlherausforderer hat es dann schwer. Macht die Wirtschaft allerdings eine Rezession durch, dann sieht es ganz anders aus. Seit Teddy Roosevelt 1904 ist es in diesem Fall keinem US-Präsidenten mehr gelungen seinen Posten zu verteidigen.

 

Stillstand
Arbeitslosigkeit dürfte sprunghaft ansteigen

Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe

Droht eine «lahme Ente»?

Kann Trump das Ruder noch herumreissen? Eine Chance hat er wohl nur, wenn er sich in den kommenden Wochen als «Krisenmanager» beweist. Auch ein solcher wird von den Wählern nämlich nicht allzu gern ausgetauscht. Die Wiederwahl von George W. Bush hatte dieser gemäss Politexperten beispielsweise nicht zuletzt steigender Popularität aufgrund seiner Rolle als Anführer gegen den Terror nach «9/11» zu verdanken. Präsident Trump wirkte in den letzten Tagen mit der Situation allerdings nicht selten überfordert. Lange Zeit hat er die Gesundheitskrise nicht als solche wahrgenommen und so wertvolle Zeit verspielt. Lieber heute als morgen wollte er den «Lockdown» bis vor Kurzem wieder beenden, auch wenn ihm seine Berater dringend davon abrieten

Auch aus geopolitischer Sicht wäre es wünschenswert, wenn sich Donald Trump weiterhin im Rennen um die anstehenden Wahlen sieht. Ansonsten droht der Präsident nämlich zur «lahmen Ente» zu werden, was ein ganz eigenes Risiko darstellen würde. Würde Trump denken die Gunst der Wähler zu verlieren, hätte er eventuell einen Anreiz die Macht der Präsidentschaft in seinen letzten Monaten zu nutzen, um sein Vermächtnis zu zementieren. Möglicherweise würde er dann langfristige nationale Interessen der USA durchsetzen, ohne deren negative wirtschaftliche Folgen zu bedenken oder zu beachten.

 

Gelingt die Inszenierung?
Als «Krisenmanager» hat Donald Trump bessere Wählerchancen

Zustimmungsquote (Job Approval Rate)

Zurück auf Start
Schlechte Performance für den «Aktienmarktpräsidenten»

Aktienmarktentwicklung während Trumps Amtszeit

Für die Aktienmärkte wäre eine zweite Amtszeit Donald Trumps wohl ein zweischneidiges Schwert.

 

Für die Aktienmärkte wäre eine zweite Amtszeit Donald Trumps wohl ein zweischneidiges Schwert. Höhere Steuern würden zwar nicht drohen. Ganz im Gegenteil könnte der frisch wiedergewählte Präsident gar nochmals zu weiteren Steuersenkungen geneigt sein, um die Erholung der Wirtschaft vom Corona-Schock zu beschleunigen. Und auch ein schnelles Ende von «QE4ever» – dem unlimitierten Wertpapierkaufprogramm der US-Notenbank – ist unter der Präsidentschaft von Trump kaum denkbar. Eher droht eine weitere Verquickung von Geld- und Fiskalpolitik, bei der die riesigen Staatsdefizite dauerhaft von der Fed finanziert werden. In der Aussenpolitik könnte der Handelskrieg mit China allerdings in eine weitere Runde gehen. Und auch Europa könnte wieder stärker ins Visier geraten. Dem Trend zur De-Globalisierung gibt die Corona-Krise aktuell jedenfalls einen weiteren Schub. Und Trump dürfte anfällig dafür sein, sich verlorenes Wirtschaftswachstum von den Handelspartnern der USA zurückzuholen.

 

 

Doch was, wenn die Statistik recht behält und Donald Trump von der Rezession aus dem Weissen Haus gefegt wird? Das geopolitische Risiko würde sich dann wahrscheinlich verkleinern. Der Demokrat Joe Biden dürfte Einiges daran legen die zerbrochenen Allianzen mit den ehemaligen Partnern wieder zu rehabilitieren. Auch «linke Fantasien» – beispielsweise eine Zerschlagung der Internetriesen – wie sie unter Bernie Sanders oder Elizabeth Warren gedroht hätten, müssten Anleger mit dem moderaten Joe Biden nicht fürchten. Höhere Unternehmenssteuern und eine striktere Regulierung stünden aber sicher auf der Agenda. Nachdem der US-Aktienmarkt dieses Jahr bereits 30% korrigiert hat, sehen wir diese «Basisrisiken», die mit einer demokratischen Regierung einhergehen, allerdings als weitgehend eingepreist an.

 

Oliver Hackel, CFA Head of Private Markets & Liquid Alternatives

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