Gruss von unserem CEO

Auf ins Nach-Nach-Pandemie-Jahr

Geschätzte Kundinnen und Kunden,

Ich hoffe sehr, dass Sie gut und gesund ins neue Jahr gerutscht sind und aus den ein zweites Jahr in Folge pandemiebedingt etwas «speziellen» Festtagen das Beste gemacht haben. Vielleicht blieb Ihnen zwischen den Jahren ja etwas mehr Zeit als üblich – für ein gutes Buch, Bewegung an der frischen Luft oder angeregte Gespräche im klein(er)en Kreis –, so dass Sie nun erholt und mit positiver Energie ins Jahr 2022 starten können.

 

Aber bevor wir nach vorn schauen, zunächst ein Blick in den Rückspiegel. Was bleibt von 2021 (in Erinnerung)? Schiffe, die «Ever Given» heissen und zu gross sind für die Schifffahrtswege, die sie passieren sollen. Immobilienkonzerne, die «Evergrande» heissen und eigentlich zu gross sind, um sie bankrottgehen zu lassen. Milliardäre im Weltall. Der Mob im Weissen Haus. Home Office und Jogginghosen. Und natürlich der Abschied von James Bond. Doch vor allem hat uns das letzte Jahr einen Crashkurs in Virologie und Epidemiologie verschafft. Wir verstehen jetzt Antigene, Antikörper und Reproduktionsraten. Wir wissen, dass ein Virus in geschlossenen, unbelüfteten Räumen als Aerosol übertragen wird und dass diese Aerosole insbesondere beim Singen und Schreien ausgestossen werden. Wir wissen auch, dass Impfungen gegen RNA-Viren nur eine begrenzte Lebensdauer haben, Reinfektionen nicht verhindern und dass es zu «Superspreader»-Ereignissen kommen kann. Zu guter Letzt kennen wir nun das griechische Alphabet (nach «Omikron» kommt übrigens «Pi»). Derart (weiter) gebildet wissen wir schliesslich aber auch, dass insbesondere die letzte, vierte Corona-Welle in Mittel- europa eigentlich keine «Überraschung» sein konnte. Experten hatten vor den letztendlich wahr gewordenen Szenarien schon im Sommer gewarnt. Wird uns «Corona» je wieder in Ruhe lassen? Ein Zurück zur Normalität dürfte es so schnell nicht geben. Doch wo viel Schatten ist, dort ist auch Licht. Die vergangenen zwei Pandemie-Jahre haben glücklicherweise auch gezeigt, was die medizinische Forschung heutzutage Eindrucksvolles leisten kann. Schon in einigen Wochen könnte es nun bereits Impfstoffe geben, welche an die Omikron-Variante angepasst sind. Und mit etwas Glück stellt sich bald heraus, dass das krankmachende Potential der jüngsten (oder zukünftiger) Mutante(n) nachlässt. Dies wäre für den Verlauf von Pandemien beziehungsweise die Funktionsweise von Viren nicht ungewöhnlich und könnte den Weg in die Endemie ebnen. Zwar müssten wir auch dann mit dem Virus leben – aber auch das würden wir schaffen!

 

Damit genug zur Pandemie. An Herausforderungen wird es 2022 auch abseits von «Corona» nicht mangeln. China rasselt mit den Säbeln vor Taiwan, Russland tut Selbiges an der Grenze zur Ukraine und der Iran könnte in Kürze die Fähigkeit zum Bau von Atomwaffen erlangt haben – allein um Nordkorea ist es in letzter Zeit etwas ruhiger geworden. Dass sich die (ehemalige) Weltmacht USA in diesem Jahr potentiell an drei Fronten gleichzeitig (heraus)gefordert sehen könnte, kann – zumindest für Beobachter der geopolitischen Materie – ebenfalls keine Überraschung sein. Nach dem chaotischen Rückzug aus Afghanistan im Sommer sieht Amerika schwach aus. Das erhöht die Versuchung für Russland, China und den Iran, alte Missstände zu beseitigen oder lang gehegte Ambitionen voranzutreiben. Zwar scheint es unwahrscheinlich, dass Xi Jinping und Wladimir Putin direkt über eine koordinierte Militäraktion sprechen. Und die Idee einer Dreierkonferenz, an der auch der iranische Präsident Ebrahim Raisi teilnimmt, entbehrt erst recht jeglicher Grundlage. Aber auch wenn es keinen einheitlichen Plan gibt, der die Absichten von Peking, Moskau und Teheran miteinander verbindet, so gibt es doch ein gewisses Mass an gemeinsamer Analyse und Wachsamkeit. In keinem der drei Konflikte wird die Regierung Biden die militärische Option ausdrücklich vom Tisch nehmen. Der Rückgriff auf wirtschaftliche und diplomatische Waffen dürfte das Mittel erster Wahl bleiben. Grössere kriegerische Auseinandersetzungen sollten uns 2022 hoffentlich erspart bleiben. Der Trend zur De-Globalisierung dürfte sich angesichts der geopolitischen Entwicklungen aber fortsetzen.

 

"Nicht nur in unserem täglichen Handeln können wir einen Beitrag leisten, den Klimawandel aufzuhalten, sondern auch mit unserem Vermögen."

Christian Reich, CEO Kaiser Partner Privatbank AG

Während die meisten von uns in Sachen Geopolitik nur Beobachter sind, sind andere Themen in letzter Zeit noch näher gerückt. Zum Beispiel Cyberattacken, welche nicht nur Regierungen und Unternehmen, sondern auch uns als Privatpersonen treffen können. Und nicht zu vergessen die Inflation. Diese mehr oder weniger abstrakte, äusserst komplexe Statistik, welche vielfältigste Ursachen haben kann, nicht linear verläuft und selbst für die Notenbanken schwer vorherzusagen ist – somit also wirklich ein Überraschungsmoment besitzt – erlebt das erste Mal seit über einer Generation ein Comeback. Doch selbst die Angst vor der Entwertung des Geldes verblasst vor einer viel grösseren Bedrohung: dem immer schneller voranschreitenden Klimawandel. Ob Hurricanes und Tornados in den USA, Dürren in Südamerika oder Überflutungen in Deutschland – «Anschauungsunterricht» gab es auch im vergangenen Jahr zur Genüge. Dass die Erderwärmung hausgemacht – also vom Menschen verursacht – ist, hat uns der Weltklimarat gerade erst schwarz auf weiss deutlich gemacht. Die Auswirkungen des Klimawandels sind exponentiell: Sie werden mit fortschreitender Erwärmung immer schlimmer. Es drohen nicht «nur» steigende Temperaturen und schmelzende Eiskappen, sondern Wasserknappheit, Massenmigration, Nahrungsmittelkrisen und Wohlstandsverlust.

 

Die Zeit zum Handeln ist «Jetzt». In den 2020er Jahren bleibt uns vermutlich noch ein kurzes Zeitfenster um «die Kurve zu kratzen» und die Kurve des Temperaturanstiegs zu bändigen beziehungsweise letzteren auf 1.5 Grad Celsius zu beschränken. Eine wesentliche Rolle wird dabei auch dem privaten Anlagekapital zukommen. Um die nötigen Treibhausgaseinsparungen zu erzielen sind riesige Investitionen in erneuerbare Energien, Elektromobilität, Infrastruktur und neue Technologien erforderlich. Für Anleger liegt dabei Verantwortung und Chance in einem. Nicht nur in unserem täglichen Handeln können wir einen Beitrag leisten, sondern auch mit unserem Vermögen – ob im Dialog mit Unternehmen oder mit dezidierten «Impact»-Investitionen. Als Nachhaltigkeits-Pionier in Liechtenstein wird Sie die Kaiser Partner Privatbank dabei auch in diesem Jahr unterstützen. So werden wir unser Angebot, beispielsweise im Bereich der Private Markets, weiter ausbauen. Ich freue mich darauf mit Ihnen gemeinsam auf diese herausfordernde, aber auch spannende Reise zu gehen.

Ihr Christian Reich

Christian Reich (1972) Er war vormals in der Geschäftsleitung bei der Finanzmarktaufsicht Liechtenstein tätig und hat als Betriebsökonom fundierte operative Erfahrungen im Bankgeschäft. Seit 2011 ist er Mitglied der Geschäftsleitung der Kaiser Partner Privatbank AG, seit 2015 nimmt er den Vorsitz ein.

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