Kleine(re) Aktien, ganz gross

Ob Apple in den USA oder Nestlé in der Schweiz – meist stehen an den Aktienmärkten die grossen Namen im Vordergrund. Doch die kleineren Firmen müssen sich nicht verstecken. Ganz im Gegenteil: Sie haben historisch betrachtet meist deutlich bessere risikoadjustierte Erträge geliefert. Auch in Zukunft dürfte sich aktives Investieren lohnen und mit kleineren Titeln ein «Alpha» zu generieren sein.

 

Klein, aber oho

In der Regel sind es die grossen Namen, die sowohl auf den Kurszetteln der Anleger als auch in den Finanznachrichten dominieren. Denn Unternehmen wie Apple in den USA oder Nestlé in der Schweiz sind es auch, welche die Richtung der bekanntesten Börsenindizes bestimmen. Anfang des Jahres erreichte der US-Technologieriese kurzzeitig eine Börsenbewertung von 3 Billionen US-Dollar. Allein dieses eine Unternehmen machte zuletzt rund 7% der Marktkapitalisierung des US-Blue-Chip-Index S&P500 aus. Doch für Anleger lohnt es sich über den Tellerrand hinauszuschauen und nicht allein auf Einheitskost zu setzen. Denn in der zweiten – und insbesondere in der dritten – Reihe finden sich eine Unmenge interessanter Firmen, die zwar nur einen Bruchteil des Gewichts, dafür aber oft umso mehr Innovation und Wachstum auf die Waage bringen. Gerade bei den kleinkapitalisierten Unternehmen, welche je nach Definition einen Börsenwert von 5 Milliarden US-Dollar oder weniger haben, verstecken sich hinter oftmals weniger bekannten Namen nicht selten (Welt-)Marktführer aus verschiedensten Industrien und Nischen.

 

Stetige Outperformance…
Klein schlägt gross in allen Märkten

Annualisierte Performance seit 2002

Quellen: Bloomberg, JPMorgan, Kaiser Partner Privatbank

 

Performancetechnisch konnten sich die Small Caps in den letzten zwei bis drei Jahrzehnten in jedem Fall sehen lassen. In fast allen Weltregionen hatten sie gegenüber den Large Caps die Nase vorn. In den für westliche Anleger wohl wichtigsten Einzelmärkten (USA, Eurozone, Schweiz, Vereinigtes Königreich) galt dies gar uneingeschränkt. Während die annualisierte Outperformance im besonders kompetitiven US-Markt immerhin 2.0% Prozent betrug, waren es in Europa mit 3.2% in der Schweiz und gar 6.7% im Euroraum noch deutlich mehr. Über einen langen Zeithorizont von einer Dekade oder mehr können sich solche unscheinbaren Renditedifferenzen für Anleger zu einem beträchtlichen Mehrwert aufaddieren.

 

…summiert sich
Small Caps längerfristig klar im Vorteil

Performance seit 2002

Quellen: Bloomberg, JPMorgan, Kaiser Partner Privatbank

 

Mehr als nur «Beta»

Dass es diese höhere Performance bei den Small Caps nur im Gegenzug für ein höheres Risiko gibt, ist allerdings ein Mythos. Selbst in den für Aktienmärkte denkbar schwierigsten Zeiten – in Rezessionen – sind sie nicht wie vielleicht vermutet klare Underperformer. Über den Zeitraum der vergangenen 30 Jahre ist die Evidenz diesbezüglich eher gemischt – mal haben die Small Caps in Rezessionsphasen besser, mal schlechter abgeschnitten als die Large Caps. Das langfristige «Beta» der kleinkapitalisierten Werte ist (mit Ausnahme der USA) sogar deutlich tiefer als «1» – die kleineren Titel sind also weniger sensibel gegenüber Veränderungen des Gesamtmarkts als die grossen. Betrachtet man die Volatilität der «Kleinen» dann ist diese über die letzten 20 Jahre in den meisten Märkten nur marginal höher, in der Schweiz sogar wesentlich geringer als jene der «Grossen». Höhere Renditen bei gleichzeitig ähnlichen oder tieferen Schwankungen bedeuten für Small Caps (teils deutlich) bessere risikoadjustierte Renditen (Sharpe Ratios). Auch aus Risikosicht ist die Beimischung von kleineren Titeln zu einem diversifizierten Portfolio daher sinnvoll.

 

Nicht nur eine «Beta»-Wette
Small Caps haben auch risikoadjustiert die bessere Rendite

Annualisierte Sharpe Ratio seit 2002

Quellen: Bloomberg, JPMorgan, Kaiser Partner Privatbank

 

Struktureller Rückenwind

Doch wie erklärt sich die Überrendite der Small Caps? Tatsächlich gibt es eine Reihe struktureller Gründe, die deren «Alpha» erklären helfen. So wachsen ihre Umsätze und Gewinne in der Regel schneller als bei den Large Caps. Dies erklärt sich unter anderem damit, dass es sich oft um jüngere Unternehmen handelt, die sich noch in einem früheren Wachstumsstadium befinden. Etablierte, grosse Unternehmen bewegen sich hingegen nicht selten in nahezu gesättigten Märkten. Seit 1990 lag die Wachstums-Differenz zwischen klein und gross in den Industrieländern immerhin bei 2%. Zudem sind kleine Unternehmen oft attraktive Übernahmeziele. Jedes Jahr wird in rund 95% aller M&A-Deals weltweit ein Small Cap (mit einem Unternehmenswert von weniger als 5 Milliarden US-Dollar) gekauft. In der Regel zahlt der Käufer dabei eine stattliche Übernahmeprämie. Zuletzt lag diese im Schnitt bei rund 30%. Dies trägt nicht unwesentlich zur langfristigen Outperformance der kleineren Aktien bei. Nicht zuletzt befinden sich im Aktionärskreis von Small Caps häufig Insider und Stakeholder, die viel «skin in the game» und somit ein grösseres (finanzielles) Interesse an hohen und nachhaltigen (Anlage-)Erträgen haben.

 

3, 2, 1 – meins
Kleinere Unternehmen sind attraktive Übernahmeziele

Globale M&A-Aktivität (Anzahl Transaktionen)

Quellen: Bloomberg, JPMorgan, Kaiser Partner Privatbank

 

Auch zukünftig «Alpha»

Doch das ist noch nicht alles. Ein Teil des «Alphas» von Small Caps erklärt sich auch damit, dass die kleinen und unbekannteren Titel meist kaum bis gar nicht auf dem Radar von Anlegern und Analysten sind. Während Large Caps in den USA und Europa von durchschnittlich 17 Brokerhäusern beobachtet werden, gibt es für Small Caps jeweils nur drei oder vier Unternehmensanalysen beziehungsweise Empfehlungen. Rund ein Viertel aller kleinkapitalisierten Titel wird in diesen Regionen gar nicht einmal von einem einzigen Analysten «gecovert». Genau diese Research-Lücke ist es, welche Raum für «Alpha» eröffnet. Wer Zeit und Energie in die Analyse von kleineren, fast unbeobachteten Unternehmen steckt, kann gegenüber der Anlegermasse einen Informationsvorteil gewinnen und diesen potentiell in einen Performancevorteil ummünzen. Auch im von weitgehender Vernetzung und schnellster Datenübertragung geprägten Zeitalter der Digitalisierung, in der wir es mit weitgehend effizienten Märkten zu tun haben, bleibt diese «Ineffizienz» im Bereich der Small Caps bis heute bestehen. Wenig spricht dagegen, dass sie nicht auch zukünftig Opportunitäten schafft. Auch in Zukunft dürfte es sich daher lohnen innerhalb des Small-Cap-Universums auf aktives Management zu setzen, anstatt einfach nur einen ETF zu kaufen.

 

Kaum auf dem Radar
Small Caps werden weniger analysiert

Research-Coverage von Small Caps (Anzahl an Brokern) in den USA und Europa

Quellen: Bloomberg, JPMorgan, Kaiser Partner Privatbank

 

Selbst angesichts herausfordernder geopolitischer Entwicklungen spricht einiges für Small Caps (und einen Vorteil gegenüber Large Caps). So erzielen sie zum Beispiel einen vergleichsweise grösseren Anteil ihrer Umsätze in oder nahe der Heimat und sind daher etwas weniger gegenüber protektionistischen Tendenzen und Schocks im globalen Handel exponiert. Ausnahmen bestätigen die Regel. Und auch im aktuellen makroökonomischen Umfeld, geprägt von erhöhter Inflation und möglicherweise künftig tieferem Wachstum, dürften kleinere Unternehmen zumindest nicht unbedingt einen Nachteil haben. Da es sich bei den Small Caps (insbesondere in der Industrie- und Konsumgüterbranche) häufig um Marktführer in ihrer spezifischen Nische handelt, haben sie in der Regel eine gewisse Preismacht. Insofern dürfte es den meisten gelingen, höhere Preise an die Kunden weiterzugeben und die Marge zu verteidigen. Wer künftig schwächeres Wirtschaftswachstum erwartet, kann ebenfalls konstruktiv auf das Segment der Small Caps schauen. Der Blick auf Japan und die dortige Entwicklung in den vergangenen 20 Jahren – eine fraglos wachstumsschwache und von diversen Krisen geprägte Zeit – stimmt jedenfalls zuversichtlich: Die japanischen Small Caps haben die Large Caps des Topix 100 Index klar übertrumpft.

 

Historischer Exkurs
Solide Performance selbst im japanischen Szenario

Aktien und Zinsen in Japan seit 1998

Quellen: Bloomberg, JPMorgan, Kaiser Partner Privatbank

 

Unsere Small-Cap-Expertise

Wer von der «Alpha-Opportunität» bei Small Caps profitieren möchte, muss nah am Markt sein und aktiv investieren. Die Kaiser Partner Privatbank hat in den letzten Jahren eine starke Expertise für den Markt der Schweizer Small und Mid Caps aufgebaut. In unserem «Swiss Stocks Basket» setzen wir auf ein diversifiziertes Aktienportfolio mit Fokus auf Qualitätsaktien mit attraktiven Wachstumsaussichten. Dabei fokussieren wir uns auf Unternehmen mit einem Wettbewerbsvorteil, einer führenden Marktposition sowie einer attraktiven Marktstruktur. Seit Auflegung der Strategie Anfang 2016 konnten wir mit unserem Ansatz eine Rendite von 149.8% erzielen und den Referenzindex SPI Schweiz (88.6%) klar schlagen. Auf annualisierter Basis resultiert somit eine Rendite von 15.8% p.a. während der Gesamtmarkt 9.9% rentierte. Dabei wurde diese Überrendite mit vergleichbarem Risiko erzielt (Volatilität Strategie: 11.7% vs. Benchmark: 11.4%). Wir sind zuversichtlich, dass unser sorgfältig zusammengestellter Schweizer Aktienkorb für unsere Kunden auch in den kommenden Jahren «Alpha» liefern wird.

 

Oliver Hackel, CFA Senior Investment Strategist

Investment News

 

Wer in Zeiten des globalen Wandels mit seinen Investments auf der richtigen Seite des globalen Wandels sein will, muss besonders gut informiert sein.

Die Experten unseres Investment Competence Center geben Ihnen regelmässig über wichtige Ereignisse und Trends Auskunft.
Abonnieren Sie die News.

!Bitte füllen Sie dieses Feld aus
!Bitte füllen Sie dieses Feld aus
!Bitte füllen Sie dieses Feld aus
!Bitte füllen Sie dieses Feld aus
!Bitte füllen Sie dieses Feld aus
!Bitte füllen Sie dieses Feld aus
!Bitte füllen Sie dieses Feld aus
Wir nutzen Ihre E-Mail-Adresse lediglich für die jeweilige Zustellung des Newsletters betreffend “Investment News”. Der Zustellung erfolgt je nach Aktualität.